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erstellt am: 05.11.2012 | von: Uwe Binz | Kategorie(n): Laufen

mit Teamwork-Beteiligung.

              

und leider ohne mich (Anmerkung vom Pressewart)

Aber hier ist der Bericht von Thomas Renzler:

Am 28.10.2012 starteten 5 Teamworker, nämlich Melanie Tappe, Uwe Brettschneider, Andreas Manzel, Carsten Kröcher und ich selbst bei der 1. CrossChallenge in der Döberitzer Heide, organisiert vom SCC.

Größte Panik am Morgen: Habe ich die Uhr richtig umgestellt oder habe ich schon alles verpennt? Hat aber geklappt. Ist schon gut, wenn man Abitur hat. Radio angemacht: in Berlin und Brandenburg 0 bis -3°. Auch super, wird schon mal keine Hitzeschlacht, dann kann ja nix mehr schiefgehen. Zum Frühstück noch ein kleiner KH-Schock, Allos Basis Müsli mit Sojamilch, sicherheitshalber 2 Portionen eingefahren, waren ja noch fast 4 Stunden bis zum Start. Für unterwegs noch ein paar Schokoladen-Brötchen und Bananen. Kleidung aussuchen war auch einfach, meine Auswahl ist sehr begrenzt, da ich ja seit 3 Jahren kaum ernsthaft gelaufen bin und die Hälfte meiner Ausrüstung mal in einer Fahrradtasche an einer Tram-Haltestelle habe stehen lassen.

Also: Nike Free 3.0 ohne Strümpfe, alte Jacke drüber, fertig. Trocknet schnell, wenn ich nass werde und darf auch alles kaputtgehen, ohne dass es Tränen gibt. Trockene Sachen für hinterher plus Handtücher eingepackt und los.

 

Ich habe mich dann mit Andreas und Carsten getroffen und wir sind mit dem Auto zum Rennen gefahren. Uwe trafen wir dann vor Ort. Zum Treffpunkt bin ich geradelt, was etwas leichtsinnig war, wie ich ein paar Stunden später feststellte. Hinfahrt war schnell vorbei, da wir uns so lange gegenseitig erzählten, wie wenig wir trainiert hätten, bis wir es selbst glaubten. Und schwupps: Schon waren wir in der Döberitzer Heide. Ein Truppenübungsplatz, Naturschutzgebiet und MotoCross-Strecke. Kommt man normalerweise gar nicht rein. Aber heute ging’s.

 

Die Veranstaltung war relativ übersichtlich, nur 1000 Startplätze. Natürlich brüllend laute Musik, die zunächst nervte. Warum das immer sein muss? Keine Ahnung. Da steht man mitten in der schönsten Natur, blauer Himmel, Sonnenschein, aber irgendeine Art der Umweltverschmutzung muss wohl sein. Aber irgendwie nervte es mich heute nicht ganz so, wie sonst. Man bekam ein schönes Funktions-T-Shirt (Motto: Alles andere ist nur joggen), von denen Andreas zwei abgriff und ich ärgere mich immer noch, dass ich nicht auch so schlau war, denn die Shirts sind wirklich schick. Mindestens zwei Drittel der Teilnehmer schien aus höchstens 25jährigen, durchtrainierten Männern zu bestehen, die gerade den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hatten. Und dann wir drei älteren Herren dazwischen. Hm, das konnte ja was werden.

 

Also erst mal in die Umkleidezelte, in denen es nur geringfügig weniger kalt war, als draußen. Da kam ich schon ins Grübeln mit meinem Kurze-Hosen-ohne-Strümpfe-Konzept. Aber: Ich trage vielleicht Handschuhe bei den Klimmzügen, aber verfroren bin ich nicht. Bis zum Start war es ja auch nur noch eine Stunde, würde schon gehen. Ging auch. Die Leute, die außer mir auch nur eine ¾-Hose trugen, konnte man allerdings an einer Hand abzählen. Anscheinend haben sich auf der Strecke aber dann noch einige ihrer Hosen entledigt, später sah man nämlich mehr Kurzbehoste. Es gab auch einige in Kostümen, aufwändig geschminkt o.ä. Alles mehr oder weniger martialisch, sollte ja was hermachen. Außerdem hatten sich alle die Videos auf youtube vom Nürburgring und aus England gesehen.

Irgendwann ging’s dann also los und es fühlte sich erst mal nach einem schönen Waldlauf an einem noch schöneren Herbstmorgen an. Gemütliches traben, es war noch bisschen eng auf der Strecke, aber das löste sich bald auf. Uwe, Andreas und vor allem Carsten waren komischerweise sofort verschwunden. Hatten die doch mehr vor, als sie im Auto zugegeben hatten? Egal, ich bin erst mal gemütlich losgetrabt, absolutes Wohlfühltempo. Bisschen sandig, bisschen hoch, bisschen runter, die ersten 10 Minuten waren noch zum lieb haben.

 

Dann ging es per Seil einen Steilhang hoch, kein Problem. Aber dann kam die für mich größte Herausforderung des ganzen Laufs: Sand. Tiefer Sand. Kilometerweit. Hoch und runter, mal richtig steil, mal weniger steil, aber immer im tiefen Sand. Von den 26km waren geschätzte 10-12km richtig sandig. Und das hat man dann irgendwann auch in den Waden gemerkt. An einem etwa 100m langen Anstieg hatte ich dann auch die einzige Gehpassage der gesamten Strecke. Aber da gingen alle, zumindest die, die ich gesehen habe. Diejenigen, die da laufen konnten, waren wahrscheinlich schon über alle Berge.

 

Es kamen dann pro Runde (13km, für mich zwei Mal zu durchlaufen) ca. 12 Hindernisse. Kletterzäune aus Holzstämmen oder Latten oder mit Netzen bespannt, mal drüber, mal drunter, Reifen, durch die man klettern musste, zwei Tarnnetze, unter denen man durchkriechen musste: einmal im Sand, einmal im Schlamm einen Hügel hoch. Dann über mehrere hundert Meter einen 10kg Sandsack tragen, über Autoreifen, durch Ikea-Plastikbälle, durch 2-3m tiefe Löcher im moosigen Waldboden, dann mal wieder einen Steilhang hoch. Und dann natürlich die beiden Wasserhindernisse: Einmal zwei Bauschuttcontainer hintereinander, in denen man bis zur Hüfte im Wasser stand. Klingt so harmlos und sah auch harmlos aus. Aber danach hatte man erst mal das Gefühl auf zwei Eisblöcken weiterzulaufen. Carsten, der es als Polizist mit Regeln nicht so genau nehmen muss, kletterte geschickt über den Rand und blieb trocken, wie er mir nachher erzählte. Mir kam meine Überlegung mit kurzer Hose und Nike Free ohne Strümpfe an dieser Stelle zugute, denn die Kombi war recht schnell wieder trocken, während das bei den warm eingepackten Läufern bisschen anders ausgesehen haben dürfte.

 

Die erste Runde habe ich noch ganz gut hinter mich gebracht. Uwe und Andreas hatte ich inzwischen auch überholt, nur von Carsten war weit und breit nichts zu sehen. Obwohl es schon ein kleiner Schock war, als ich nach dem ersten Wasserhindnis das Schild „7km“ gesehen habe. Gefühlt hätte die erste Runde da schon zu Ende sein können. Uwe hatte die „pinke“ Runde gebucht, also nur 13 statt 26km. Der wurde vor dem Start natürlich kräftig bespöttelt. Nach der ersten Runde war ich sicher nicht der einzige, der seine Weitsicht und seine gute Selbsteinschätzung bewunderte und sich schon überlegte, was man bieten müsste um die Startnummern zu tauschen.

Auch Melanie hat die Eine Runde gebucht und dabei einen hervorragenden 5. Platz bei den Frauen belegt. Tolle Leistung. (Anmerkung vom Pressewart)

Andererseits: Eine Runde wäre spaßig gewesen. Erst die Zweite war die Herausforderung. Also weiter. 1:29 hatte ich da übrigens auf der Uhr. Zu meinem Erstaunen habe ich für die zweite Runde nur 3 Minuten mehr gebraucht und die war durch Pinkelpause und zusätzliches Hindernis sogar ein bisschen länger. Also die Ausdauer war nicht der Limiter.

 

Heftig war vor allem am Ende der zweiten Runde der Zielbereich: Damit die Zuschauer was zu sehen hatten, ging es in endlosen Schleifen im tiefen Sand hoch und runter und da waren auch noch mal ein paar Hindernisse, u.a. das Schlammloch mit dem Schlammhügel dahinter, den man unter dem Netz hochkriechen musste. Auf der ersten Runde bin noch eher vorsichtig in das Schlammloch runtergestiegen. Über den Moderator hatte ich aber schon gehört, dass es wohl auch die ein oder andere A*-Bombe gegeben hatte (schön zu sehen im Video: http://www.cross-challenge.de/fotos-und-videos/videos/cross-days-2012-alles-andere-ist-nur-joggen.html). Ich wollte mich also nicht lumpen lassen und habe – steif wie ich nach fast 26km schon war – einen Sprung aus ca. 1,5m Höhe gewagt. Prompt habe ich bei der Landung einen heftigen Wadenkrampf bekommen und konnte nur mit Mühe verhindern komplett der Länge nach im Wasser zu landen. Habe dann die Wade noch im Schlammtümpel stehend gedehnt und mich wieder rausgearbeitet. Wenn man meint, für solche Erlebnisse 60 Euro bezahlen zu müssen, kann einem auch keiner mehr helfen. Es ging dann bis ins Ziel noch ein paar Mal hoch und runter durch den tiefen Sand und dann war es geschafft. Ich war froh, dass ich durchlaufen konnte. Wenn zwischendurch die Muskulatur einfach mal den Dienst versagt hätte, wäre ich auch nicht übermäßig verwundert gewesen. Denn besonders auf den letzten 2-3km musste man ständig noch mal irgendwo hoch, über Steine oder sonst irgendein Hindernis. Sich einfach weiterschleppen wie beim Straßenlauf war da nicht drin. Man musste sich ständig noch mal konzentrieren und für ein kleines Hindernis alle Schnellkräfte mobilisieren. Erstaunlich wie viel Kraft das kostet.

Ich fand es war ein toller Lauf und ich würde es gern öfter machen. Andreas (der nach ca. 3:15 im Ziel war), Carsten (der mit ca. 2:40 der Schnellste war) und ich sind dann zusammen wieder nach Berlin gefahren, alle waren zufrieden. Andreas fuhr an den Straßenrand, drei Türen öffneten sich, wir stiegen gleichzeitig aus und unisono hörte man von drei älteren Herren: „Oooooh! Auuuuu! Uuuuuh!“ und drei steife Rücken wurden gedehnt und gestreckt. Das Alter ist gnadenlos!

Ich musste dann noch per Rad nach Hause, was verdammt lange dauerte und mir völlig neue Perspektiven bescherte. Ich wusste z.B. bis dato nicht, wie sacksteil und anstrengend die Auffahrt auf die Bornholmer Brücke ist. Man lernt nie aus.

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